Tere Tere! (estnisches Hallo ;) Ich bin Emma und nach meiner Matura war für mich klar, dass ich weg möchte. Raus aus dem kleinen Vorarlberg und rein in die große weite Welt. Mir war relativ egal wohin, also hab mich dann um 23.45 Uhr, ohne groß drüber nachzudenken, auf ein Projekt in Estland beworben in einem Jugendzentrum (23.59 Uhr war Bewerbungsschluss, uppsi). Ich bekam direkt am nächsten Tag eine Antwort, wurde zum Interview eingeladen und wusste direkt danach, dass ich dorthin möchte und wurde auch direkt angenommen. Ehrlich gesagt, wusste ich bis dahin kaum etwas über Estland und musste erstmal auf Google Maps nachgucken, wo genau Estland liegt (hihi, uppsi). Mit offenem Herzen und ohne konkrete Erwartungen machte ich mich auf den Weg, ohne zu ahnen, welch wundervolles Land ich kennenlernen darf.
Die Hauptstadt Tallinn ist in viele Bezirke aufgeteilt und einer davon ist Pääsküla, in dem ich im Jugendzentrum arbeitete. Man kann sich Pääsküla eigentlich so vorstellen: sehr viel Wald, dazwischen bunte Holzhäuser wie in Pippi Langstrumpf und unser Jugendzentrum natürlich. Ich war sooo begeistert von allen Jugendzentren in Tallinn, da das System echt toll aufgebaut ist Die Jugendzentren haben immer montags bis freitags von 13 bis 19 Uhr geöffnet und stehen allen Jugendlichen von 7 bis 26 Jahren offen und das sogar noch gratis. Unser Jugendzentrum hat einen Indoor- und Outdoor-Teil. Draußen kann man bei uns Basketball spielen, klettern, im Garten werkeln und sich auf dem Spielplatz austoben. Drinnen haben wir verschiedene Räume. Von DJ-Räumen über Spiel- und Musikräume bis hin zu Kochbereichen und unserem absoluten Highlight: dem Indoor-Skatepark. Ich hatte wöchentlich meine Creative-Workshops mit den Jugendlichen, wo wir gehäkelt, gemalt und gebastelt haben. Ich vermisse die Arbeit wirklich sehr, vor allem die Jugendlichen und meine Arbeitskolleg*innen, ganz besonders aber Kerim. 🙁
Das Schönste an meiner Zeit in Estland waren definitiv die Menschen, die ich dort kennenlernen durfte. Ich habe in einer kunterbunt geschmückten WG mitten im Zentrum gewohnt mit drei anderen Freiwilligen. Viola aus Deutschland, Antoni aus Polen und Marion aus Frankreich. Auch wenn wir vier so unterschiedlich sind, waren wir wirklich eine Familie für uns und sind so zusammengewachsen. Ohne die drei wäre meine Erfahrung eine ganz andere gewesen. Eine weitere Person, die meinenm Auslandsaufenthalt verschönert hat, war Kerim. Kerim war selbst mal Volunteer in Pääsküla und war mein Arbeitskollege sowie mein Tutor, doch schon nach dem ersten Tag waren wir Freunde. Kerim ist der lustigste, offenste und aufmerksamste Mensch, den ich kenne und ich werde unsere gemeinsamen Musiksessions nie vergessen.
Doch ich habe nicht nur neue Menschen kennen und lieben gelernt, sondern auch das Land selbst. Estland ist so naturverbunden und zeitgleich so modern. Ich liebe die Wälder, die Stille, Hesburger, die bunten Häuser der Altstadt, die Est*innen selbst und ihre Liebe zur Sauna. Im Winter war es wirklich extrem kalt und dunkel. Es gab Tage mit -22 Grad und nur fünf bis sechs hellen Stunden, wo einem die Haare samt Wimpern eingefroren sind. Das Meer fror auch zu und man konnte einfach auf dem Meer spazieren gehen.
Ein weiteres Highlight war für mich, die Nordlichter zu sehen! Im Sommer gab es dann das genaue Gegenteil und am Midsommer ging die Sonne nur mehr für zwei Stunden unter und es war immer hell. Ich konnte in diesen elf Monaten unglaublich viel reisen und hab so schöne Ecken der Welt gesehen. Ich war in Finnland, Lappland, Lettland, Litauen, Schweden, Dänemark und an ganz vielen Orten in Estland selbst.
Ein Erlebnis, das mir definitiv für immer in Erinnerung bleiben wird, ist unsere Reise nach Narva. Narva ist die östlichste Stadt Estlands und grenzt direkt an Russland. Der Fluss, der dort fließt, trennt nicht nur Estland und Russland, sondern auch Frieden und Krieg. Die Grenze wird streng überwacht. Überall sieht man Stacheldrahtzäune und endlos lange Schlangen von Menschen, die darauf warten, die Grenze überqueren zu dürfen. Ich beobachtete Menschen, die sich über das Flussufer hinweg zuriefen, um miteinander zu kommunizieren. Gleichzeitig zogen Vogelschwärme ganz selbstverständlich von einer Flussseite zur anderen, als gäbe es diese Grenze für sie überhaupt nicht. In diesem Moment wurde mir so richtig bewusst, wie privilegiert ich eigentlich bin und wie verdammt ungerecht diese Welt ist.
Ich blicke mit so viel Dankbarkeit auf meine Zeit in Estland zurück!! Für die Menschen, das Land selbst, und die vielen Reisen, die ich gemacht habe. Ich möchte unbedingt zurück nach Estland, meinem zweiten Zuhause 🙂
Falls du gerade überlegst, etwas Neues zu wagen, dich aber noch nicht ganz traust oder unsicher bist, ob du diesen Schritt wirklich machen sollst: Mach es! Estland war bei mir eher ein Zufall und ursprünglich vielleicht gar nicht das Land, das ich unbedingt auf meiner Liste hatte, aber es wurde zu meiner schönsten und prägendsten Erfahrung.
Aitäh Eesti!

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aktualisiert 11/2026
Emma Mungenast
Mein Name ist Emma Mungenast und ich habe 2025 einen ESK-Freiwilligendienst in Estland gemacht. Ich liebe Rucksackreisen, Kreativ-Sein, Meer, Tanzen, spontane Pläne und Sonnenuntergänge :)